DDGI_logo Niedersachsenzeichen


Ergebnisse

Autor: Prof. Dr. Gerd Buziek, Vizepräsident, DDGI e. V., 3.6.2011

Review: DDGI Vorstand; Moderatoren 4. Deutsches GeoForum 2011; Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Vorwort

Mit der Veranstaltungsreihe „Deutsches GeoForum" wird die Verbindung zwischen Geoinfor-mationen und Geoinformationssystemen und dezidierten Anwendungsgebieten hergestellt. Mittlerweile ist die Veranstaltung zu einer Kommunikationsplattform avanciert, die von Branchenexperten aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft genutzt wird um die anwendungsspezifischen Aspekte von Geoinformationen vor dem Hintergrund aktueller Anforderungen zu diskutieren.

Das 4. Deutsche Geoforum stand unter dem Leitthema „Erneuerbare Energien und Geoinfor-mation" und wurde vom DDGI mit dem Gastgeberland und Veranstaltungspartner Niedersachsen und unter Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt ausgerichtet. Damit waren sowohl Bundes- als auch Landesperspektiven in den Diskussionen berücksichtigt.

Ziel war zu prüfen, inwieweit private und öffentliche Geoinformationen einen aktiven Beitrag zur eingeleiteten Energiewende in Deutschland leisten können. Dabei standen im Mittelpunkt die Aufnahme der Ist-Situationen und die Herausarbeitung von Anforderungen an Geoinformationen, damit diese erfolgreich Energiewende unterstützen können.

Ausgangssituation

Bis 2050 sollen 60% des Energiebedarfs durch erneuerbare Energieformen abgedeckt werden. Derzeit beträgt der Anteil 17%. Niedersachen will bereits 2020 rund 25% des gesamten Energiebedarfs durch erneuerbare Energien abdecken. Bereits heute beträgt der niedersächsische Anteil an der bundesweiten Windenergiegewinnung 25%. Mit einem Standort in der Offshore-Windenergiegewinnung wird dieser Anteil zukünftig noch zunehmen.

Im Gegensatz dazu wurde mit der Biogasverstromung in einigen Gebieten Niedersachsens bereits die Wachstumsgrenze erreicht, da Bodenschutz und Gewässergüte Grenzen setzen und die Artenvielfalt nicht eingeschränkt werden soll.

Damit zeigt sich exemplarisch, dass für einen nachhaltigen Energieumbau die komplexen Zusammenhänge zwischen Gesellschaft, Umwelt und Energiegewinnung modelliert und schon im Planungsstadium berücksichtigt werden müssen.

Die intensivere Nutzung und Bereitstellung erneuerbarer Energien ist auch mit einem Paradigmenwechsel verbunden. Konnte bislang Energieerzeugung und Energiebedarf regional abgedeckt und organisiert werden, so sind zukünftig die Energieerzeugungsstandorte von den Verbrauchszentren geographisch abgekoppelt. Und diese Eigenschaft ergibt sich auch in zeitlicher Hinsicht schon allein aufgrund der meteorologischen Abhängigkeit von solarer oder äolischer Energieerzeugung, die je nach Ausbauszenario eine stärkere Lastverteilung erfordern.

Daraus resultieren neue Anforderungen, sowohl an die Ausweisung und den Bau neuer Energiestandorte als auch an die bundesweite Energieverteilung. Allein der Bau von Offshore Windenergiezentren zieht die Ausweisung neuer Kabeltrassen aber auch den Ausbau von Hafeninfrastrukturen nach sich. Hinzu kommt der Anschluss an die Übertragungs- und Verteilnetze.

Durch die Rückspeisung überschüssiger Energie von lokalen Energieerzeugern wie beispielsweise Haushalten mit Solaranlagen, Biogasanlagen oder auch Windenergieanlagen werden neue Anforderungen an die Verteilnetze gestellt, die ihre bisherige „Einbahnstraßenfunktion" durch „Mehrwegfähigkeit" ersetzen müssen.

Hinzu kommt eine gewisse Volatilität der Energieerzeugung, so dass für eine bedarfsorientierte Versorgung neue Strategien und Technologien entwickelt werden müssen. Diese umfassende Neuorganisation des Energieversorgungssystems in Deutschland erfordert für jeden Bürger spürbare Veränderungen.

Neben den technischen Erfordernissen ist für eine erfolgreiche und schnelle Transformation der Energiesysteme daher eine kontinuierliche Kommunikation mit der Gesellschaft, verbunden mit transparenten Entscheidungsprozessen sowie einer zuverlässigen und offenen Daten- und Informationsbasis eine besonders wichtige Grundlage.

Erfolgreiche Beispiele für den Informationszugang

Internetportale sind Bausteine eines modernen e-Governments und für den umfassenden Modernisierungsprozess der Verwaltung unverzichtbar. Sie sind hervorragend geeignet, Geodaten, Geodienste und weitere Leistungen dem Bürger zugänglich zu machen. Unter Beachtung der Energiethematik zählen dazu beispielsweise:

  • Geologie- und Geothermieportale, damit Bauträger, Planungsbüros, Hausbesitzer und Bauwillige die Nutzung von Erdwärme in ihre Planungen mit einbeziehen können,
  • Umwelt-, Natur- und Artenschutzportale, zur frühzeitigen Berücksichtigung von Um-weltanforderungen aber auch zum Monitoring von Umweltveränderungen,
  • Geoportale, für eine anwendungsneutrale Dokumentation geographischer und topographischer Informationen,
  • Solarportale (Solarkataster), damit die Planung und Beratung von Haushalten, Planungs- und Architekturbüros bundesweit erfolgen kann,
  • 3D-Stadtmodelle, damit Energie- und Wärmebedarfsermittlungen und prognosen vorgenommen werden können,
  • Demographische Informationen mit Raumbezug um Trends der Bevölkerungsentwicklung frühzeitig zu berücksichtigen
  • Planungsportale, mit denen die rechtlichen Rahmenbedingungen (Flächennutzung, Bauleitplanung etc.) und die geplanten Änderungs- und Baumaßnahmen dokumentiert werden

Beispiele für erfolgreiche Anwendungen sind in den Dokumentationen der Beiträge des 4. Deutschen Geoforums enthalten.

(Siehe Programm Hauptveranstaltung und Programm Abendveranstaltung)

Damit die raumbezogenen Informationen in vollen Umfang durch die Nutzer in Wert gesetzt werden können, ist in Deutschland eine rasche Flächendeckung dieser Informationen herbeizuführen.

Zudem ist das einfache Betrachten (Viewing) von Informationsebenen nicht ausreichend.

Zielführend ist die Bereitstellung von Diensten (Services) damit sich die Benutzer im Idealfall eigene Geoportale (MyGeoPortal) erstellen und anderen Interessierten zur Verfügung stellen können.

Anforderungen an die Datenbereitstellung

Raumbezogene Informationen werden vor allem für die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen benötigt und sind daher unverzichtbar für ein erfolgreiches Management der Energiewende. Darüber hinaus werden sie für Dokumentationszwecke, Nachweis von Veränderungen und dem Monitoring ihrer Auswirkungen zwingend benötigt.

Aus Sicht der Energiewirtschaft bleibt die Vorhersage der Last (Energieverbrauch) im Netz weiterhin bedeutsam, die Vorhersage des Angebots (Energieproduktion) wird diese Bedeutung mit steigendem Anteil der Erneuerbaren Energien jedoch bald erreichen. Zu diesem Zweck werden Geodaten (Basisdaten, Fachdaten, meteorologische Daten, ...) und natürlich auch raumbezogene Auswertungen für große Flächen – auch grenzüberschreitend ins europäische Ausland - mit hoher Aktualität benötigt.

Allerdings sind die Bedingungen für die Nutzung von öffentlichen Geoinformationen bundesweit uneinheitlich. Lizenz- und Nutzungsbedingungen sind davon ebenso betroffen wie Gebühren- und Kostenordnungen.

In dieser Hinsicht, aber auch im Hinblick auf die geforderte Informationstransparenz, ist dringend zu prüfen, wie ein Open-Data-Ansatz für öffentliche Geoinformationen realisiert werden kann.

Auch inhaltlich müssen öffentliche Geoinformationen aufgrund des Energieumbaus erheblich erweitert werden. Insbesondere müssen Standorte der Energieerzeugungsanlagen erfasst und geographisch verortet werden, und Gleiches gilt für energiespezifische Anlagen wie Kraftwerke, Vorratsbehälter, Speicher, Puffer, ober- und unterirdische Leitungstrassen usw. Die derzeit von den Leitungsbetreibern der Bundesnetzagentur zur Verfügung gestellten Daten sollten hinsichtlich Einsetzbarkeit in Geoportalen auch dahingehend überprüft werden, dass mit einer Veröffentlichung keine Verletzung von Betriebsgeheimnissen einher geht und das Gebot des diskriminierungsfreien Datenzugangs eingehalten wird.

Diese erweiterte Geodatenbasis muss standardisiert und bundesweit einheitlich vorliegen, den Bezug zwischen räumlichen Veränderungen und erneuerbaren Energien nachweisen können und im Idealfall eine gute Basis für Modellrechnungen sowie Energiegewinnungs- und Verbrauchsprognosen sein.

Zugang und Nutzung von Geoinformationen müssen erheblich vereinfacht werden. Die Energiewende betrifft die gesamte Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Interessengruppen, und so müssen Geoinformationen nicht nur bundesweit einheitlich und einfach zugänglich sein, sondern auch individuell erweiterbar.

Es ist nicht weiter hinnehmbar, dass die Öffentlichkeit sich in einer Welt unterschiedlichster „Geoportale" zurechtfinden muss, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind und die in der Regel nur den „Blick" auf verschiedene Informationsebenen zulassen, ohne das der Nutzer die Möglichkeit hat, eigene, für ihn relevante Information bereitzustellen und mit anderen auszutauschen.

Für eine umfassende Transparenz sind Geoportale bundesweit zu vereinheitlichen, zu vernetzen, zu integrieren und mit Fachinformationen anzureichern. Es ist dabei Sorge zu tragen, dass durch Analysen abgeleitete Geoinformationen wieder dem System zugeführt werden und dass Nutzer dieses Systems die Möglichkeit haben, eigene Informationen einzustellen, individuell zu verwenden, Interessengruppen bereitzustellen oder zu veröffentlichen. Die Portalbetreiber sind aufgefordert die Umsetzung dieser Vorschläge zu prüfen, die modernen Möglichkeiten der Internetkommunikation (Webmap-ping, Wikification etc.) anzuwenden und einen „Open-Map-Ansatz" zu unterstützen. Aktualität, räumliche Auflösung und Richtigkeit der Geodaten ist beim Aufbau der Geoportale sicherzustellen.

Fazit

Es wird dezentral an Geodateninfrastrukturen für die standardisierte Bereitstellung raumbezogener Informationen gearbeitet. Sie sind vorwiegend ausgerichtet an den Bedarfen einer europäischen Umweltpolitik.

Aufgrund der Energiewende und der engagierten Energieziele ist zwingender Bedarf, die Prioritäten der INSPIRE-Richtlinie auf die aus dem Energieumbau resultierenden Anforderungen an Geoinformationen abzugleichen bzw. zu erweitern.

Weiter wird empfohlen, Geoinformationen zur Begleitung der Energiewende nach einem „Open-Data-Ansatz" für die umfassende Nutzung bereitzustellen.

Im Hinblick auf die für den Bürger zu schaffende Transparenz müssen Möglichkeiten geschaffen werden, moderne Internetparadigmen (Webmapping, Wikification, Mash-Up etc.) auf die Nutzung von Geodaten und Geodiensten anzuwenden.

Weitere Informationen:

Programm GeoForum | Programm Vorabendveranstaltung | VeranstaltungsortOrganisation | Danksagungen | Medienpartner | Sponsoren | Download | Bildergalerie

Die Ergebnisse des 4. Deustchen GeoForums 2011 erhalten Sie auch als PDF-Download: pdf  Ergebnisbericht zum 4. Deutschen GeoForum 2011

2010-12-23_montage_kopf_1_80-proz