Als einen vollen Erfolg wertet der Deutsche Dachverband für Geoinformation (DDGI) das von ihm initiierte und von der Dortmunder Center for Geoinformation (CeGi) GmbH organisierte erste Geoforum in den Räumen der Hamburger Landesvertretung in Berlin. Vor rund 150 Teilnehmern präsentierten Referenten aus zahlreichen Kommunen, welche entscheidende Rolle geografische Daten für die Dienstleistungen von Städten und Gemeinden spielen. Auch Vertreter von Bundes- und Landesministerien sowie kommunaler Spitzenverbände unterstrichen die Bedeutung von Geodaten.

In einem kurzen Grußwort wies Hella Dunger-Löper, Staatsekretärin für Stadtentwicklung in Berlin, darauf hin, dass das Land Berlin trotz nahezu leerer Kassen, erhebliche Mittel in den Aufbau einer Geodateninfrastruktur (GDI) investiere. Man verspreche sich davon langfristig mehr Effizienz in Verwaltungsprozessen und bessere Dienstleistungen für Bürger und Wirtschaft, auch wenn jetzt kurzfristig Kosten entstehen. „Die Mittel für die GDI stehen uns nur durch Umschichtungen im Haushalt und Einsparungen an anderer Stelle zur Verfügung“, sagte Dunger-Löper. Dies zeige, dass die Politik um die Bedeutung geografischer Daten weiß und in deren bessere Verfügbarkeit investiere. In Berlin sei der Aufbau der GDI zudem Teil der länderübergreifenden Zusammenarbeit mit Brandenburg.

Dieser länderübergreifende Aspekt wurde im Laufe des Tages von verschiedenen Referenten aufgegriffen. Hagen Graeff, Geschäftsführer des Hamburger Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung und in Personalunion Präsident des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW), gewährte einen Einblick in die Zu-sammenarbeit von Hamburg, Niedersachsen und Schleswig Holstein unter der Über-schrift „Metropolregion Hamburg.“ Dabei verschwieg Graeff nicht die Schwierigkeiten, wenn es darum geht, öffentliche Geodaten aus verschiedenen Quellen im Rahmen einer GDI zusammen zu führen. Als Beispiel nannte er die in den Ländern unterschiedlichen, historisch gewachsenen Regeln, um etwa Naturschutzgebiete farblich zu markieren. „An diesen Stellen müssen sich immer alle Beteiligten bewegen.“

Ähnlichen Herausforderungen sehen sich Kommunen gegenüber, die über ihrer ei-genen Grenzen hinaus Planungen und damit geografische Daten vernetzen wollen und zunehmend auch müssen. Beispiele interkommunaler Kooperation wurden auf dem Geoforum aus allen Teilen der Republik präsentiert. Projekte gibt es sowohl im ländlichen Raum wie Dr. Ulrich Huber vom Landratsamt Cham (Bayern) zeigte, wie auch im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main: Dr. Norbert Riether erläuterte hier Arbeitsweise und Bedeutung des Kartenservers des regionalen Planungsverbandes.

In einem Grundsatzreferat über Geoinformationen und ihre politische Bedeutung hatte schon zuvor Dagmar Hesse, Ministerialrätin am Bundesinnenministerium, für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen geworben und zahlreiche Aufgaben genannt, für die funktionierende Geodateninfrastrukturen auf allen Ebenen unabdingbar seien. Hesse hob die Stadtentwicklung hervor, die vor dem Hintergrund eines demografischen Wandels, kombiniert mit zunehmender Landflucht parallel für wachsende und schrumpfende Regionen sorge, die jeweils auf ganz unterschiedliche Weise gefordert seien. Als weitere Beispiele nannte sie den Bereich des Lärmschutzes, in dem europäische Richtlinien aktuell neue Aufgaben für die Kommunen bringen sowie das Feld der erneuerbaren Energien. Hier seien in den Planungsprozessen stets zahlreiche Interessen zu berücksichtigen, die sich nicht zuletzt in geografischen und raumbezogenen Daten aus unterschiedlichen Quellen niederschlagen.

Auch Michael Freytag als Hamburger Senator für Stadtentwicklung und Umwelt unterstrich die Bedeutung von Geodaten in komplexen Planungsprozessen und stellte ausführlich die Hamburger Hafen-City vor. Bei diesem Projekt sollen weite Teile des Hafengebietes entlang der Elbe in zentraler Stadtlage als Wohn- und Büro- und Einkaufsviertel erschlossen werden. Herausragendes Aushängeschild des Vorhabens ist der Bau einer Philharmonie mit spektakulärer Dachkonstruktion auf dem Sockel eines historischen Lagergebäudes. Hamburg will sich nach den Worten Freytags damit in eine Reihe stellen mit weltbekannten Metropolen, wie beispielsweise Sidney, das nicht zuletzt aus der Hafen-Skyline mit seiner gewagten Architektur der Oper seit Jahrzehnten einen großen Image-Gewinn ziehen kann.

DDGI-Präsident Dr. Bodo Bernsdorf zog ein durchweg positives Fazit des ersten Deutschen Geoforums. Es sei gelungen, das Thema aus den Fachzirkeln hinaus, auf eine politische Ebene zu befördern. „Daran müssen wir als Dachverband weiter arbeiten, um die Bedeutung von Geodaten und Geodateninfrastrukturen noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der politischen Entscheider in Bund, Ländern und Kommunen zu rücken.“

 

Nach Wunsch des DDGI-Vizepräsidenten Dr. Gerd Buziek soll sich das GeoForum als deutschlandweite Plattform für Vertreter aus Bund, Länder, Kommunen und der Wirtschaft etablieren. „Anhand der zukünftigen regelmäßigen Fokussierung auf unterschiedliche fachliche Schwerpunkte stärken wir so den Geoinformationsstandort Deutschland, identifizieren Handlungsfelder und fördern damit die kontinuierliche Entwicklung unseres Fachgebietes. Darüber hinaus wird das Thema Geodaten und Geodateninfrastrukturen (GDI) auf Bundesebene und bei politischen Entscheidungsträgern bekannter gemacht“, so Buziek.

Künftig will der DDGI regelmäßig mit verschiedenen Schwerpunktthemen zum Deutschen Geoforum nach Berlin einladen. Ein Abschlusskommunique sowie sämtliche Vorträge der Referenten dieses ersten Geoforums stehen am Ende dieser Pressemitteilung zur Verfügung.

Erläuterungen:

GDI
Der Begriff Geodateninfrastruktur (GDI) bezeichnet eine Sammlung von Standards und Regeln, die es einem Anwender erlauben, digitale geographische Daten aus unterschiedlichen Quellen und von ver-schiedenen Internetservern lediglich mit Hilfe eines Internetbrowsers zu beziehen, darzustellen und zu verknüpfen. Beispielsweise erlaubt es eine funktionierende GDI, topographische Daten vom Server eines Landesvermessungsamtes mit Flächennutzungsplänen verschiedener Kommunen zu kombinie-ren, die direkt von den Servern der Kommunen bezogen werden. Weitere beliebige Zusammenfüh-rungen von Daten aus unterschiedlichen Quellen sind denkbar. Eine GDI kann wie in dem skizzierten Beispiel öffentlich im Internet sein, sie kann aber auch nur einem beschränkten Nutzerkreis (Intranet) zur Verfügung stehen, etwa innerhalb einer Verwaltung, eines Zweckverbandes oder auch nur inner-halb eines Unternehmens. Eine GDI setzt voraus, dass alle Datenbestände gemäß den Regeln der GDI vorlegen und über Metadaten recherchierbar sind.  

DDGI e.V.
Der Deutsche Dachverband für Geoinformation e.V. (DDGI) ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen sowie natürlichen Personen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Öffentlichkeit sowie politische Entscheider über die Bedeutung von Geoinformationen aufzuklären. Der DDGI fördert interdisziplinäre deutsche Interessen im Bereich Geoinformation, vertritt diese offiziell, regt den Aufbau und die Anwendung von Geoinformationen auf nationaler und internationaler Ebene an und koordiniert diese. Der Verband versteht sich als Treffpunkt und Technologienetzwerk für Forschung und Entwicklung, Lehre, behördliche Institutionen, den Handel, die Wirtschaft und Privatpersonen aus der Geoinformatikbranche.

CeGi GmbH
Die CeGi Center for Geoinformation GmbH mit Sitz in Dortmund ist eine spezialisierte Unternehmens-beratung. Als Kommunikations- und Koordinierungsplattform tritt sie für die Entwicklung von innovativen Geoinformationsanwendungen in Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand ein. Sie ist vor allem in den Bereichen Aufbau von Geodateninfrastrukturen, Vermarktung von Geodaten und Geo-marketing tätig und fungiert durch Veranstaltungen und eine kontinuierliche Pressearbeit vornehmlich als Verstärker in Richtung Öffentlichkeit.

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Download der Vorträge:

Grundsatzreferat - Frau Hella Dunger-Löper, Staatsekretärin für Stadtentwicklung Berlin 

Grundsatzreferat, Geoinformationen und ihre politische Bedeutung - Frau Dagmar Hesse, Ministerialrätin Bundesministerium des Innern

Grundsatzreferat, Schwierigkeiten und Chancen von Kommunen im GeoBusiness - Roland Schäfer, Präsident Deutscher Städte- und Gemeindebund

GDI-Hamburg/Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg, Dipl.-Ing. Hagen Graeff, Geschäftsführer Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV), Hamburg

Geodaten in eGovernmentprozessen, Volker Cordes, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

Kartenserver des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt/Rhein/Main - Dr. Norbert Riether, Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein/Main

Kommunale Geodateninfrastrukturen am Beispiel des interkommunalen Geoinformationssystems des Landkreises Cham - Dr. Ulrich Huber, Landratsamt Cham

Branchenspezifische Webanwendungen - GDI wertschöpfend nutzen - Jürgen Dressel, GeoDok GmbH

Geodateninfrastrukturen und verteilte GeoServices am Beispiel des Geodatenshops Barnim - Peter Ziegler, Landkreis Barnim Kataster- und Vermessungsamt

Kreisliches GeoGovernment - Portal und Vermarktung kommunaler Geodaten im Landkreis Oberhavel - Axel Walther, Kreisverwaltung Oberhavel

Metropole Hamburg - wachsende Stadt, Senator Dr. Michael Freytag, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg

Umfassende GIS-Services eines EVU für Kommunen und Landkreise - Richard Schwarz, Teamleiter Informationsverarbeitung, EnBW Ostwürttemberg DonauRies AG

Die "neue" Geoinformationsinitiative Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler - Chancen für die GIS-Region Bonn?  - Dr. Ulrich Ziegenhagen, stellv. Leiter des Bonner Amtes für Wirtschaftsförderung

Einheitliche 3D-Stadtmodelle und Mobilfunk, Rüdiger Drees, T-Mobile Deutschland GmbH