Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen sieht in der Geoinformationswirtschaft einen möglichen Baustein ihrer künftigen Cluster-Strategie in der Wirtschaftspolitik.

Dies wurde auf dem vom DDGI e.V. initiierten Branchentreff „Tag der Geoinformationswirtschaft“ am 12. Dezember im Düsseldorfer Landtag mit rund 500 Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft deutlich. Ab kommenden Jahr soll die Dortmunder Center for Geoinformation (CE°GI’) GmbH helfen, das im Land an vielen Stellen vorhandene Know-how der Branche so zu vernetzen, dass ein landesweites Innovationscluster mit nationaler und internationaler Bedeutung entsteht.

„Jetzt können wir mit etwas Glück auch wirtschaftspolitisch die Früchte unser langjährigen Arbeit bei dem Aufbau einer Geodateninfrastruktur (GDI) in NRW ernten“, kommentierte Dr. Bodo Bernsdorf als CEGI-Geschäftsführer und Präsident des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation (DDGI e.V.) die Ergebnisse des zweiten „Tag der Geoinformationswirtschaft“, zu dem der DDGI Mitte Dezember in den Düsseldorfer Landtag eingeladen hatte.

Denn aus der bisherigen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden getragenen Initiative GDI NRW, die sich als Public Private Partnership (PPP) mit ihrer Arbeit an Standards für die Vernetzung von geografischen Daten und Information auf der Basis von Webtechnologien internationale Anerkennung verschafft hat, soll nach dem Willen der bislang Beteiligten ein „Innovationscluster Geoinformationswirtschaft“ werden. Damit ändert sich der Fokus: Der Vernetzung der vorhandenen öffentlichen und privaten Geodaten im Internet folgt nun die Vernetzung der damit befassten Unternehmen in der realen Welt. Das Ziel sind möglichst viele neue Produkte und Dienstleistungen entlang unterschiedlicher Wertschöpfungsketten innerhalb der vernetzten Unternehmen so zu bündeln, dass daraus ein wirtschaftlicher Wachstumspool entsteht. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen der Branche können durch eine Einbindung in Cluster-Strukturen mehr Möglichkeiten erhalten, in einem nationalen und internationalen Markt zu agieren.

Das Potenzial der Geoinformationswirtschaft in NRW könnte auch nach Auffassung der Landesregierung Teil ihrer künftigen Cluster-Strategie sein. Das Land will nach eigener Auffassung „international wettbewerbsfähige Cluster in relevanten Zukunftsfeldern herausbilden und effizient vernetzen.“ Deshalb soll ab kommendem Jahr die Dortmunder CEGI GmbH im Auftrag der Düsseldorfer Staatskanzlei die Rolle der Geschäftsstelle eines möglichen Innovationsclusters „Geoinformation“ übernehmen. Heinz Brüggemann als Direktor des Landesvermessungsamtes ist als Cluster-Manager vorgesehen. Die Aktivitäten vorhandener Initiativen und regionaler Cluster wie sie bereits in der Region Bonn oder im „Geonetzwerk Münsterland“ existieren, sollen zentral koordiniert und unterstützt werden.

In jedem Fall sicherten sich die Branchenvertreter auf dem „Tag der Geoinformationswirtschaft“ der Unterstützung der Politik. Abgeordnete aus allen Fraktionen des Landtages standen der Versammlung im Plenum des Landesparlaments Rede und Antwort und versicherten über alle Parteigrenzen hinweg, sich für das Vorhaben eines eigenständigen Geoinformations-Cluster einzusetzen und von der Landesregierung entsprechende Berichte und Stellungnahmen einzufordern.

Insgesamt zeigte das von der CEGI GmbH im Auftrag des DDGI organisierte Branchentreffen erneut die Bandbreite des Themas Geoinformation. In der Wandelhalle des Landtags präsentierten zahlreiche Aussteller, welche Rolle Produkte und Dienstleistungen auf der Basis geografischer Daten in nahezu allen Wirtschaftszweigen spielen. Das Spektrum reichte von der Immobilienbranche über Handel, Banken und Versicherungen bis zu Aufgaben in der Logistik, der Telekommunikation und der Energiewirtschaft. Dazu kamen Unternehmen die Geoinformatik-Werkzeuge für öffentliche Angelegenheiten im Katasterwesen, im Katastrophenschutz, im Wassermanagement oder dem Stadtmarketing liefern.

Auch das Vortragsprogramm spiegelte die Vielfältigkeit von Geoinformationen wieder, setzte aber zugleich inhaltliche Akzente in Bezug auf die künftige Cluster-Arbeit. So berichtete beispielsweise der Salzburger Stadtrat Martin Panosch von der Arbeit des regionalen GIS-Clusters Salzburg. Einen Bogen vom ersten „Tag der Geoinformationswirtschaft“ im Jahr 2004 zur aktuellen Veranstaltung schlugen Heinz Brüggemann und der DDGI-Vizepräsident Gerd Buziek. In der Form eines öffentlichen Gesprächs zogen die beiden eine Bilanz des seitdem Erreichten: Das reichte von der Modernisierung des Katastergesetzes bis zu den Bemühungen, Geoinformationen und die Arbeit mit Geodaten verstärkt als Thema in den Schulen des Landes zu etablieren.