(Dortmund/Berlin 09. März 2007) - Die rund 80 Teilnehmer des 2. Deutschen Geoforums in Berlin blickten in diesem Jahr über die nationalen Grenzen hinaus. Der Branchentreff des Deutschen Dachverbandes für Geoinformationen (DDGI) befasste sich vor allem mit dem europäischen Rahmen, in dem alle künftigen Entwicklungen von Geodateninfrastrukturen stattfinden.

Mit seiner Keynote zu INSPIRE gab Professor Dr. Lars Bernard von der TU Dresden den inhaltlichen Rahmen für das 2. Deutsche Geoforum vor, zu dem der DDGI in diesem Jahr in die sächsische Landesvertretung nach Berlin einlud. Erstmals existiere mit der EU-Direktive INSPIRE ein gemeinsamer gesetzlicher Rahmen für den Umgang mit amtlichen Geodaten in allen 27 Mitgliedsstaaten. Jetzt komme es auf die Umsetzung vor Ort und im Detail an.

„Wir haben nun das erste europäische Gesetzeswerk vorliegen, das sich ausschließlich und direkt mit Geoinformationen befasst", sagte Bernard und bezeichnete dies bei aller Kritik im Detail als Fortschritt für die künftige Entwicklung von grenzüberschreitenden Geodateninfrastrukturen in Europa. Gleichwohl bleibe noch viel Arbeit, bis wie geplant zum Jahr 2013 beispielsweise umfassende Metadatenkataloge der verfügbaren europäischen Geodatenbestände vorlägen. Das sei nicht nur eine organisatorische Frage an die Mitgliedsstaaten, auch technisch seien längst nicht alle Herausforderungen gelöst. „Aktuelle europäische, durchaus OGC-konforme Kataloglösungen haben sich in Tests beispielsweise als nicht interoperabel herausgestellt", betonte der Wissenschaftler, der bis vor wenigen Monaten als Mitarbeiter der gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission im italienischen Ispra in der Abteilung Spatial Data Infrastructures direkt an der INSPIRE-Initiative beteiligt war. Bernard betonte, dass mit INSPIRE nicht eine europäische Geodateninfrastruktur (GDI) von oben verordnet werde, sondern es sei Sache der Mitgliedstaaten diese zu gestalten. „Es liegt jetzt an uns, Experten zu benennen, Entwürfe zu kommentieren, die für INSPIRE relevanten Standards zu entwickeln und Referenzlösungen aufzubauen." 

img_3810_web

Auch in den zahlreichen weiteren Beiträgen und Referaten des Geoforums spielte Europa als Impuls- und nicht zuletzt als Geldgeber von GDI-Projekten eine dominierende Rolle. So beschrieb beispielsweise Daniel Holweg vom Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt den mühevollen, aber durchaus lohnenden Weg zum Forschungsprojekt Humboldt. Darin geht es um Methoden zur Datenharmonisierung in GDIs. Das Fraunhofer Institut koordiniert dieses vierjährige Projekt mit insgesamt 27 Partnern in ganz Europa, das mit 13,5 Millionen Euro noch aus dem Etat des auslaufenden sechsten Forschungsrahmenprogramms (FRP) der EU gefördert wird.

Falko Liecke von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen präsentierte dazu das Beispiel eines dreidimensionalen Stadtmodells für Berlin, dessen Entwicklung aus Mitteln des europäischen Regionalfonds (EFRE) gefördert wurde. Welche weiteren Möglichkeiten es für europäischer Projektförderung gibt, präsentierten Doris Scheffler von der ZENIT GmbH aus Nordrhein-Westfalen und Dr. Claudie Lindberg vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., die beide als Beratungsorganisationen und so genannte nationale Kontaktstellen für zahlreiche europäische Programme fungieren und Antragstellern helfen, die bisweilen langwierigen Antragsverfahren zu meistern für die auch Holweg einen „langen Atem" empfahl.

„Die Europäische Union fordert mit INSPIRE das Geoinformationswesen, aber sie fördert es zugleich in zahlreichen Programmen", bilanzierte am Ende des Geoforums DDGI-Präsident Dr. Bodo Bernsdorf. Darin lägen insgesamt große Chancen für die Branche. Er forderte Behörden und Unternehmen auf, die Impulse aus Brüssel aufzunehmen und den Aufbau von Geodateninfrastrukturen im Sinnen von INSPIRE auf allen Ebenen voranzutreiben. Der DDGI als Verband wolle die weitere Entwicklung so weit es geht aktiv mitgestalten und sich dabei auch kritischen Positionen zum Umgang mit amtlichen Geoinformationen nicht verschließen.

Als Beleg dafür konnte die Verleihung des diesjährigen Medienpreises am Ende der Veranstaltung dienen. Ausgezeichnet wurde neben einem populär aufbereiteten Fernsehbeitrag des Magazins „ZDF.umwelt" über „Geodaten als Wirtschaftsgut" der Artikel „Die Merkels von nebenan" von Max Rauner in dem Supplement „ZEIT Wissen" der Wochenzeitung „Die Zeit". Der Beitrag setzt sich durchaus kritisch mit den Möglichkeiten auseinander, mittels georeferenzierter statistischer Daten, mit hohen Wahrscheinlichkeiten zutreffende Aussagen beispielsweise über die Kaufkraft und Konsumvorlieben beliebiger Menschen allein aufgrund ihrer Adresse zu treffen. 

img_3885_web
Gewinner des DDGI-Medienpreis 2006: Joachim Mahrholdt (li) und Jan Schwochow (re), der den Preis in Vertretung für Herrn Max Rauner entgegennahm.

 

Laden Sie hier die Vorträge vom 2. Deutsche GeoForum runter!