Die DDGI-Fachgruppe „GDI in der Ent- und Versorgungswirtschaft“ veranstaltete am 22. März 2007 in Berlin einen erfolgreichen Workshop zum Thema „GIS & SAP in der Versorgungswirtschaft – Wieviel Geoinformation muss sein?“. 

 

Der Workshop richtete sich an ein Fachpublikum der Versorgungswirtschaft und deren Dienstleistungsunternehmen. In effizienten Gruppengrößen wurde darüber diskutiert, ob die Nutzung von Geoinformationen in kritischen Prozessen der Versorgungswirtschaft tatsächlich Mehrwerte erzeugt. Dabei wurden Kernprozesse exemplarisch in drei Diskussionsrunden analysiert und diskutiert. 

Am Morgen traf sich das Plenum zu einer Keynote von Dr. Jörg Reichling, (GIW-K), der den Bogen von der ALK bis zu Google Earth spannte und darauf basierend die Arbeit der GIW-K erläuterte. Über vier Impulsvorträge wurde in die jeweiligen Workshops eingeleitet.

Der Überblicksvortrag von Dr. Gero Bieser (SAP AG) über aktuelle und zukünftige Entwicklungen im Hause SAP analysierte den derzeitigen Entwicklungsstand und wagte einen Ausblick über die Integration von SAP und GIS im Jahre 2015.

Thomas Spoede (BTC AG) referierte über die Zusammenhänge des GIS-Einsatzes bei Planungs- und Baumaßnahmen. Hier ging es vor allem um die Integration von GIS und SAP, was zu erheblichem Synergien führt. An konkreten Beispielen konnte eindrücklich belegt werden, welche Einsparungen erzielt wurden.

Zum Thema Instandhaltung referierte Ludger Rieger (DEW GmbH). Auch in diesem Vortrag wurde deutlich, dass die Integration von ERP und GIS erhebliches Einsparungspotential bietet, indem Datenstrukturen verbessert und Inkonsistenzen vermieden werden. Der Vortrag belegte den schnellen Return of Invest durch Transparenz und Vermeidung von redundanter Dateneingabe.

Im letzten Impulsvortrag wurde das Störungsmanagement mit einem Schwerpunkt auf mobilen Anwendungen untersucht. Olaf Alm (e.on Mitte AG) berichtete über die Notwendigkeit, alle Informationen möglichst aktuell und vor Ort verfügbar zu haben. Dabei ging der Vortrag von der Tatsache aus, dass Störungsmanagement immer schon eine mobile Komponente hatte und mit heutigen Möglichkeiten effiziente Lösungsmöglichkeiten gegeben sind. Eine Integration bedeutet daher vor allem eine optimale Unterstützung des Prozesses und einen erheblichen Qualitätsgewinn.

Nach der Mittagspause trafen sich die Teilnehmer zu drei getrennten Workshops, in denen die Impulsreferenten sowie je ein Fachgruppenmitglied die Moderation übernahmen. Im Fokus stand ein systemneutraler Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Planung / Bau

Es ist festzustellen, dass die Prozesse in den Häusern der Teilnehmer sehr unterschiedlich gestaltet sind. Auch zur Bearbeitung von raumbezogenen Fragestellung werden von CAD bis GIS Systeme eingesetzt, die nur teilweise mit ERP-Systemen gekoppelt sind.

Das Interesse an einer Kopplung beider Welten ist allerdings groß, wozu Anforderungen definiert wurden. So wünscht man sich die Integration zum Monitoring der vielfältigen Prozesse, was z.B. über einfache Bedienmasken im SAP geschehen könnte. Die Spezialisten sehen dadurch bedingt eine Verkürzung des Hausanschluss-Prozesses um ca. drei Wochen. Bei 15 – 20 % liegen nach Meinung der Teilnehmer die Einsparungsmöglichkeiten beim Netzplanungsprozess und darüber hinaus könne man mit erheblichen Qualitätssteigerungen rechnen, die sich monetär aber nur schwer quantifizieren lassen.

Instandhaltung

Die Gruppe ging zunächst der Frage nach, ob die GIS / SAP-Integration als Standardprozess zu werten sei und stellte fest, dass die Projektorganisation eines solchen Vorhabens sehr wesentlich ist. Aufgrund der Tatsache, dass man Geschäftsführung und frühzeitig auch die Mitarbeiter einbeziehen muss, sollte dieser Prozess von einem externen Unternehmen moderiert werden. Zu berücksichtigen ist, dass man eine gemeinsame Sprache definieren muss, bevor es an die Erstellung von Konzepten gehen kann. Einschränkend wurde erarbeitet, dass die Integration lediglich eine Teilkomponente des Prozesses betrifft und man durchaus diese Kopplung nicht als Selbstzweck verfolgen dürfe. Hier gebe es eine Menge kontraproduktiver „Glaubenbskriege“, die dazu führen, dass manche Verfechter „GIS/SAP-Kopplung als Lebensziel“ betrachten und dabei den Geschäftsprozess an sich aus den Augen verlieren. Kontrovers wurde die Kopplungstiefe (z.B. von Straßenabschnitt bis hin zum Rohrleitungsdetail) diskutiert. Die dargestellte Uneinheitlichkeit führt insgesamt dazu, dass Themen wie Datenharmonisierung und Anforderungen an die Geodatenbasis nicht mit Absolutheit festgelegt werden kann. Hier könnte die Bundesnetzagentur in Bezug auf die Dokumentationspflichten vereinheitlichend eingreifen, obwohl die GIS/SAP-Integration dort noch kein Thema sei.

Störungsmanagement und mobiles GIS

Der Workshop konzentrierte sich auf die „Mobilität“ und der damit verbundenen Datenverfügbarkeit. Auch hier wurde Vielfalt zum Thema. Besonders im Bereich der Hardware ist beim mobilen GIS einiges denkbar, deckt aber im Allgemeinen nur Teilprozesse ab. Selbst gut geschulte Mitarbeiter sind schnell überfordert, wenn sie mehrere Systeme bedienen müssen. Beim Wunsch nach vollständiger – und wenn möglich papierloser – Information stellte sich die Frage nach der Hochverfügbarkeit der Systeme. Mobilfunk steht im Falle eines Falles möglicherweise nicht zur Verfügung, so dass eine gewisse Unabhängigkeit notwendig ist. Die Replikation mobiler Lösungen stellt die Unternehmen immer wieder vor logistische und technische Schwierigkeiten. Als weiterer Aspekt wurden die Schwierigkeiten bei der Integration amtlicher Daten diskutiert. Hier ist ein Trend festzustellen, der im Workshop kurz mit „Selbst ist das EVU“ beschrieben wurde. Probleme führen zunehmend zum Unmut bei den EVUs, so dass - volkswirtschaftlich unsinnig aber betriebswirtschaftlich notwendig – eigene Datenbestände aufgebaut werden.

Zusammenfassend stellte die Veranstaltung fest, dass die Kopplung von GIS und ERP durchaus Sinn machen kann. Es ist aber in jedem Unternehmen im Einzelfall zu bewerten, wie tief die Kopplung vorangetrieben werden muss. Ein „mobil verfügbares, allumfassendes System“ hilft nicht weiter. Es muss anhand der Größe des Unternehmens und der Granularität verfügbarer Daten individuell bewertet werden, ob die Integration zielführend sei. Generell lassen sich alle Prozess auch nur mit SAP oder nur mit GIS abbilden. Eine maßvolle Integration wird von allen Teilnehmern befürwortet. 

Die Vorträge können Sie hier runterladen.