(Quelle: zfv Heft 2/2009; Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der zfv - Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement - Herr Dr. Fritzsche)

Am 23. Februar 2009 hat Klaus Barwinski sein 70. Lebensjahr vollendet. Dies ist willkommener Anlass, das berufliche Lebenswerk einer bemerkenswerten Persönlichkeit des deutschen Vermessungswesens zu würdigen.

Klaus Barwinski wurde in Königsberg geboren. Das Kriegsende verbrachte er mit seiner Familie in Köln wo er die massive Zerstörung der Stadt unmittelbar miterlebte. Nach dem Abitur 1960 in Porz begann er das Studium der Geodäsie in Bonn, das er 1964 mit dem Diplom abschloss. Es schloss sich die Referendarzeit in NRW an. Nach der Großen Staatsprüfung 1967 wurde er als Dezernent bei der Bezirksregierung Düsseldorf eingestellt und wechselte 1971 in das Innenministerium NRW, wo er 1974 das Referat für Grundlagenvermessung, Kartographie und Automatisierte Datenverarbeitung im Vermessungswesen übernahm. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit wurde die Entwicklung des Automatisierten Liegenschaftsbuchs in den AdV-Vorhaben BEDV und ALB als nordrhein-westfälisches Mitglied der Sachkommission Liegenschaftskataster (SKL). 1979 wechselte Klaus Barwinski im Alter von 40 Jahren vom Innenministerium zum Landesvermessungsamt NRW, um für 24 Jahre dessen Leitung von seinem Vorgänger Dr. Ferdinand Voss zu übernehmen. Diese Zeit war geprägt durch rasante technologische Entwicklungen auf dem Gebiet der Geodäsie und Kartographie, die Klaus Barwinski für Deutschland und Europa maßgeblich mitgestaltet und der praktischen Nutzung in der Landesvermessung zugeführt hat. In diese Zeit fielen auch verschiedene wesentliche organisatorische Veränderungen bei der Aufgabenwahrnehmung der Landesvermessung, sowohl in NRW als such in Deutschland einschließlich der Konzentration der Dienststellen der Landesvermessung auf die Liegenschaft in Bonn-Bad Godesberg.

Besonders zu erwähnen sind unter technologischem Blickwinkel die durchgreifende Digitalisierung aller Arbeitsverfahren in Liegenschaftskataster und Landesvermessung, für die die Kürzel ALB, ALK, ATKIS, ALKIS, AFIS und TIM stehen, und der Start eines Länderprojektes zur automatischen kartographischen Generalisierung, das den kartographischen Produktionsprozess nachhaltig automatisieren wird. Die Einführung Satellitengeodätischer Messverfahren mit GPS, eine Technologie, die Klaus Barwinski gemeinsam mit Dr. Otmar Schuster aus den USA nach Deutschland geholt und weltweit erstmals in der Eifel für die Messung eines geodätischen Netzes eingesetzt hat, führte er konsequent fort mit der Unterstützung der bundesweiten Einrichtung von SAPOS und mit der Patentierung des Verfahrens RASANT. Mit Weitsicht hat Klaus Barwinski für alle diese und viele weitere Initiativen und Modernisierungsprozesse wesentliche Anstöße gegeben und sie beharrlich zum Erfolg geführt. Dabei hat er von seinen Mitarbeitern, vor allem von den Führungskräften, vollen Einsatz gefordert. Das anfängliche Murren und Stöhnen ging in den meisten Fällen in Anerkennung über, wenn sich der erhoffte Erfolg einstellte.

 Bereits vor dem Amtsantritt Klaus Barwinskis als Direktor des Landesvermessungsamtes war 1975 die Entscheidung gefallen, die Landesvermessung in Bonn Bad-Godesberg zu konzentrieren und die Außenstelle in Münster aufzugeben. In mehreren Bauabschnitten entstanden die erforderlichen weiteren Bauteile, bis 1990 die endgültige Fertigstellung gefeiert werden konnte. Gleichzeitig konnten, nicht zuletzt aufgrund persönlicher Einflussnahme von Klaus Barwinski, die alten Bauteile durchgreifend modernisiert werden, sodass sich die Gesamtanlage heute in einem ausgezeichneten baulichen Zustand befindet.

 Neben den technischen Innovationen hat Klaus Barwinski auch immer der berufliche Nachwuchs am Herzen gelegen, die Ausbildung sowohl von Technikern als auch von Ingenieuren und Führungskräften. So begann er 1974 seine Tätigkeit im Oberprüfungsamt für den höheren technischen Verwaltungsdienst. 1983 wurde ihm die stellvertretende Leitung der Abteilung „Vermessungs- und Liegenschaftswesen" übertragen, 1994 wurde er der Leiter dieser Abteilung. Diese Aufgabe hat er bis zu seiner Pensionierung mit großem Engagement und viel persönlichem Einsatz wahrgenommen.

 Die organisatorische Neustrukturierung der Landesvermessung infolge der Auflösung der Außenstelle Münster wurde überlagert von einem geänderten Aufgabenzuschnitt aufgrund eines Organisationsgutachtens des Landesrechnungshofs, das im Ergebnis zu einer Verlagerung operativer Aufgaben auf die Bezirksregierungen und zu einer Stärkung der Informationstechnik im LVermA führte. Bei allen 0rganisationsentscheidungen lag Klaus Barwinski immer die Einführung modernen Managements am Herzen. Konsequent umgesetzt wurde dies letztlich mit der Umwandlung des LVermA NRW von einer Landesoberbehörde in einen Landesbetrieb im Jahre 2001. Kosten-Leistungs-Rechnung und kaufmännisches Rechnungswesen, verbunden mit einer organisatorisch unterlegten Projektstruktur, sorgten für eine deutliche Steigerung der Transparenz und Effizienz des wirtschaftlichen Handelns. Dieser Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer. Mit der Eingliederung des Landesvermessungsamtes in die Bezirksregierung Köln zum 1. Januar 2008 mussten aus personellen und organisatorischen Gründen die KLR zurückgefahren und die kameralistische Buchführung wieder eingeführt werden. Auf der anderen Seite wurden die operativen Aufgaben wieder von den Bezirksregierungen auf die Landesvermessung bei der Bezirksregierung Köln zurückverlagert. Mit den jüngsten politischen Entscheidungen zur Landesvermessung in NRW hat sich Klaus Barwinski bis heute nicht abgefunden. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, dass das Landesvermessungsamt NRW unter seiner Führung zu einer der leistungsfähigsten und modernsten Institutionen auf den Gebieten Landesvermessung und Geoinformation in Deutschland und Europa mit hervorragender Reputation geworden ist. Diese Position sieht er nachhaltig gefährdet.

Mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung entwickelte Klaus Barwinski eine reservierte Haltung zum Föderalismus in Landesvermessung und Geoinformation. Die Abstimmungsprozesse in der AdV waren ihm zu langwierig, sie entsprachen nicht seinem dynamischen Naturell. Zum Schluss tendierte er mehr und mehr zur Stärkung der nationalen Rolle der Geoinformation in Deutschland. Dies ist nachvollziehbar, wenn man die schwache internationale Position der deutschen Landesvermessung und Geoinformation im Vergleich zu den meisten europäischen und außereuropäischen Ländern selbst erlebt hat. Diese kritische Position hat er zunehmend über den Deutschen Dachverband für Geoinformation vertreten, zu dessen Gründungsvätern er 1994 gehörte und dem er von 1994 bis 1998 als Präsident vorstand. Aus dieser Rolle heraus organisierte er 1996 die erste GSDI-Konferenz (Global Spatial Data Infrastructure) in Königswinter und initiierte damit ein heute weltumspannendes Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen auf dem Gebiet der Geoinformation.

 Wie kaum ein anderer hat sich Klaus Barwinski ganz besondere Verdienste auf der internationalen Bühne von Landesvermessung und Geoinformation erworben. Als einer der Ersten hat er die Bedeutung der Einbindung unserer Aufgaben in europäische und internationale Netzwerke erkannt. 1980 wurde er Mitglied im Direktorium des Institute for Land Information (ILI) in Washington. In dieser Funktion hat er einige Think Tanks mit nachhaltiger Wirkung mit Führungskräften aus Europa und Amerika zu Zukunftsfragen von Landesvermessung und Geoinformation mit initiiert und organisiert. 1984 wurde er Beauftragter der AdV im Comité Européen des Responsables de la Cartoraphie Ofiicielle (CERCO), dessen Präsidentschaft er von 1990 bis 1992 innehatte. Die AdV-Vertretung bei CERCO, später Eurogeographics, hatte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst inne. Von 1987 bis 1988 war er Präsident von AM/FM International - European Division und gehörte damit dem Board of Directors von AM/FM International an.1991 wurde er aufgrund seiner Verdienste für das europäische öffentliche wie private Vermessungswesen Fellow of the Royal Institution of Chartered Surveyors (PRICS). 1993 entsandte ihn der Deutsche Dachverband für Geoinformation (DDGI) als DDGI-Reprasentanten in das Executive Committee von EUROGI (European Umbrella Organisation for Geographical Information).

Dank seines internationalen Engagements brachte er viele neue Ideen und Anregungen mit in das LVermA NRW. Bei den Mitarbeitern gefürchtet waren die Tage nach internationalen Meetings, wenn Klaus Barwinski unmissverständlich zum Ausdruck brachte, dass neue innovative Projekte umgehend auf den Weg und schleunigst zum Abschluss zu bringen seien. Die angenehme und beruflich sehr fruchtbare Kehrseite war, dass regelmäßig Mitarbeiter zu internationalen Konferenzen und in europäische Working Groups und Task Forces entsandt wurden, um dort deutsche Positionen zu vertreten und neue Ideen mitzubringen.

Klaus Barwirrski hat für sein berufliches Schaffen neben seiner Berufung als FRICS bedeutende Ehrungen erfahren. So erhielt er 1992 die goldene Ehrennadel des BDVI und 1998 die goldene Ehrennadel des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation e.V. Die wohlverdiente Krönung war jedoch die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse im Jahre 2000.

Abschließend sei Klaus Barwinski sehr herzlich zur Vollendung seines 70. Lebensjahres gratuliert, verbunden mit den besten Wünschen für seine Gesundheit und glückliche Jahre im Kreise seiner Familie ohne Belastung durch den beruflichen Alltag. Sein berufliches Lebenswerk wird uns Ansporn sein ihm nachzueifern nach seinem Wahlspruch, den er uns mitgegeben hat: "Wir dokumentieren das Heute für das Planen von morgen".

Heinz Brüggemann, Bonn-Bad Godesberg