Tagung der Spitzenverbände führte 30 Vertreter aus 15 Ländern nach Berlin

Vom 19. bis 20. November 2010 war der DDGI Gastgeber des Extra Members Meeting des Europäischen Dachverbandes für Geo-Information, das dieses Jahr zum ersten Mal in Deutschland stattfand. Fast 20 Delegierte aus 15 Ländern von Estland bis Italien nahmen an dem Treffen teil; dazu kamen Vertreter von 10 DDGI-Mitgliedern. Präsident Udo Stichling und Vizepräsident Wolfgang Steinborn informierten die ausländischen Gäste über Ziele, Arbeitsweise und Mitgliederstruktur des DDGI und regten einen Austausch mit den Schwesterverbänden über aktuelle Probleme der Außendarstellung, der Mitgliedergewinnung und des Polit-Lobbying an, der dankbar aufgegriffen wurde.

Extra Member Meeting, 19. Nov. 2010, DLR, Berlin

Den interdisziplinären Charakter der GI sehen viele ähnlich dem DDGI gleichzeitig als Herausforderung und Chance an. Es geht darum, gemeinsam das Bewusstsein zu stärken, dass außer im allbekannten Google Earth auch in vielen anderen Bürgerdiensten „GI inside" ist. Eine Datenschutzdiskussion wie in Deutschland findet dagegen in den anderen Ländern fast nicht statt. Für GeoBasis NRW erläuterte Jens Riecken vom Düsseldorfer Innenministerium, wie das föderale Deutschland auf allen Verwaltungsebenen vom Bund bis zu den Gemeinden mit der Umsetzung der INSPIRE-Richtlinie umgeht. Auf großes Interesse der Gäste stieß auch der Vortrag von Martin Fornefeld / Firma Micus über das Spannungsfeld zwischen Marktpotenzialen und Datenpreisen bzw. Lizenzen. Andreas Wytzisk / con terra informierte über technische Möglichkeiten des Europa-weiten unbegrenzten Datenzugangs und Kristine Asch / Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe begeisterte mit einer lebhaften Darstellung des Projekts „One Geology Europe", in dem ein einheitliches geologisches Datenmodell in 17 Sprachen und aus 20 Geometrien zu Stande kam. Präsident Stichling ist der festen Überzeugung: „Wir dürfen die Erde nicht mehr nur als Puzzle aus kleinen Inseln verstehen, wenn wir die heutigen Probleme des Klimas, des demografischen Wandels und der Infrastruktur lösen wollen“. Und Vizepräsident Steinborn ergänzt: „In den großen EU-Mitgliedsstaaten werden die Potenziale, die der Weltraum bietet, verstärkt diskutiert. Wir haben EUROGI darauf aufmerksam gemacht und wollen es stärker einbinden.“

Mars in 3D - Herr Uli Köhler (v.l.) erläutert

Großen Eindruck machte eine Führung von Uli Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR durch eine Ausstellung „Mars in 3D", welche die bereits fast fertig gestellte Kartierung des Nachbarplaneten mit einer deutschen Leichtbaukamera auf der Mars-Express-Mission der ESA zeigt. Für viele Teile der Erde existiert kein Höhenmodell dieser Präzision. Erst mit dem Ende der deutschen Radarmission TanDEM-X 2014 wird diese Lücke geschlossen sein. Die wachsende Bedeutung von 3D in der Geoinformation wurde auch durch eine Diskussion ethischer Aspekte bei virtuellen Darstellungen unterstrichen. Besonderen Raum nahmen außerdem GI-Anwendungen bei grenzüberschreitender Raumplanung und Katastrophenbekämpfung ein, wo Interoperablität (INSPIRE ) und einheitliche europäische Datensätze (GMES ) besonders wichtig sind. In das verabschiedete EUROGI-Arbeitsprogramm für 2011 wurde daher eine gemeinsame Aktion des DDGI und seines tschechischen Partnerverbandes CAGI aufgenommen, bei der auf einer über die Grenze von Děčín nach Dresden schwimmenden Konferenz ein Erfahrungsaustausch über die entstehenden grenzüberschreitenden regionalen Geoportale geplant ist. Ferner wurden Gespräche der Alpenländer (D-A-CH) geplant. Ziel soll eine Auswertung der INSPIRE-Umsetzung auf regionaler Ebene sein, um der Politik entsprechende Rückmeldungen für die weitere Optimierung der europäischen GI-Rahmenbedingungen an die Hand geben zu können.

Die Präsidenten Mauro Salvemini (EUROGI, li.) und Udo Stichling (DDGI, re.)

Ganz oben auf der Agenda steht ein verstärktes Lobbying für mehr Berücksichtigung von GI in europäischen Programmen, auch befördert durch Warnungen, dass außereuropäische Länder dabei sind, durch gewaltige Investitionen in GI (z.B. Korea) rasant zu Europa aufzuschließen. Insgesamt lobten die Gäste die kreative Atmosphäre des Treffens und des Rahmenprogramms, das ein Essen auf dem Berliner Fernsehturm und eine Citytour einschloss. Aus dem EUROGI-Vorstand wurde betont, dass Dynamik und Enthusiasmus des DDGI nach ganz Europa ausgestrahlt hätten.

Teilnehmer aus 15 europäschen Staaten

Diesen Artikel als PDF herunterladen:
icon DDGI VON EUROGI FÜR ERFOLGREICHE GASTGEBERROLLE GELOBT


[1] INfrastructure for SPatial InfoRmation in Europe

[2] Global Monitoring for Environment and Security