Karten und digitale Rauminformationen erweisen sich als unverzichtbar für die Katastrophenhilfe - Parlamentarisches Mittagessen in Berlin am 17.02.2005 zum Thema Katastrophenschutz

 

Wie können zukünftig Naturkatastrophen wie das Tsunami-Ereignis vom 26.12.2004 zuverlässig erkannt und Hilfs- und Schutzmaßnahmen zielgerichtet koordiniert werden? Diese und weitere Fragen wurden von einer hochrangig besetzten Expertenrunde in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft am 17. Februar 2005 in Berlin behandelt.

 

Eingeladen zu der Gesprächsrunde hatten der Deutsche Dachverband für Geoinformation (DDGI) e. V. und die ESRI Geoinformatik GmbH. Der Einladung gefolgt waren u. a. die stv. Botschafter von Indonesien und Thailand, Herr Djelantik und Herr Sukhasvasti, die Abgeordneten Dominke (CDU), Reichenbach (SPD) und Behm (Bündnis 90/ Die Grünen), Vertreter des Bundesministeriums für Inneres (BMI), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA), des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG), der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie mehrere Firmenvertreter.

 

Staatssekretär a. D. Scharrenbroich, Vorsitzender des Stiftungsrates der Hilfsorganisation CARE, rief die ungeheuerlichen Dimensionen der Flutkatastrophe in Erinnerung, die mit 400 000 Toten und Vermissten weltweite Betroffenheit und in der Dimension einmalige private und öffentliche Hilfsmaßnahmen für Süd-Ost-Asien ausgelöst hat. Für die Zukunft ist in den betroffenen Regionen die langfristige partizipative Zusammenarbeit, die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Infrastrukturaufbau besonders bedeutend, so Scharrenbroich.

 

Als lebensrettender Faktor gilt die Reduktion der Vorlaufzeit von mehreren Stunden auf 10 Minuten für die Warnung der Bevölkerung, erläuterte Dr. Lauterjung (GFZ). Aus diesem Grunde wird innerhalb der nächsten drei Jahre unter Federführung des BMBF ein Tsunami-Frühwarnsystem eingerichtet werden. Derzeit laufen die Verhandlungen mit Indonesien.

 

Dr. Ranke, Referatsleiter für Grundlagen der internationalen Zusammenarbeit bei der BGR, war zur Zeit des Unglücks vor Ort. Nach seinen Erfahrungen ist für eine effiziente Hilfe im Katastrophenfall vor allem eine zentrale Koordination von Hilfsmaßnahmen erforderlich. Dezentrale Organisationsstrukturen hätten sich als hinderlich erwiesen. Darüber hinaus sind für die Bewertung der Schäden, für die Sammlung von Informationen über Schäden und Notfälle Informationssysteme äußerst hilfreich, wie sie gegenwärtig für die Grundwasserexploration eingesetzt werden. Ihr optimaler Einsatz erfordert jedoch die Verfügbarkeit aufeinander abgestimmter und qualitätsgesicherter Rauminformationen. Diese seien in der erforderlichen Form nicht vorhanden, nur für einfache raumplanerische Aufgaben ausreichend, aber für übergreifende Analysen und nachhaltige Arbeiten kaum verwertbar.

 

„Darüber hinaus sei für die zuverlässige Verortung von Rauminformation der Aufbau von räumlichen Bezugssystemen notwendig“, ergänzte Prof. Grünreich (BKG) eine weitere Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von Informationssystemen. Das BKG sei bereit, fachliche Hilfe zu leisten und zu unterstützen.

„Digitale Informationen seien in Katastrophenfällen kein Allheilmittel“ war die Aussage von Gerold Reichenbach, MdB, der auf seine Erfahrungen im internationalen Katastrophenmanagement zurückgriff. Für den erfolgreichen Einsatz von Geoinformationssystemen (GIS) sind zusätzlich die Einhaltung internationaler Standards und die Unterstützung der UN erforderlich. Darüber hinaus seien digitale Informationssysteme aufgrund beschädigter Infrastrukturen häufig in Katastrophenfällen nicht verfügbar und somit wenig hilfreich. „Am Ende wird mit Bleistift und Block gearbeitet“, so Reichenbach weiter, der damit indirekt die Herstellung gedruckter Karten als unverzichtbar erklärte.

 

„Mit dem Einsatz von modernen Geoinformationssystemen sei sowohl die digitale Datenverwaltung und die vernetzte Datenbereitstellung sichergestellt, als auch die automatisierte Produktion von gedruckten Karten“ unterstrich Dr. Buziek, Vizepräsident des DDGI, den vielschichtigen Nutzen von GIS.

Zugleich hätte die Diskussion gezeigt, dass ein umfassendes Kompetenzspektrum für Aufbau und Betrieb eines Rauminformationssystems für eine nachhaltige Katastrophenprävention erforderlich sei. Dies schließt die unverzichtbaren Wissenstransfer-, Trainings- und Supportmaßnahmen ebenso mit ein wie die Schaffung softwaretechnischer Voraussetzungen.

 

Der DDGI, dessen Mitglieder insgesamt über ein derartiges Leistungsspektrum verfügen, sei daher bereit, für die betroffenen Regionen als Ansprechpartner zu dienen und mit seinem Kompetenzpool weiterführende Arbeiten im Umfeld von Geoinformationssystem zu unterstützen und zu koordinieren.